Im Rahmen der regelmäßigen Mietertreffen haben wir gemeinsam über die Konzeption eines Viertelfests sinniert. Ein Sommerfest am Imbuschplatz sollte es sein. Mit Theater, Aktion, Musik und Catering wollten wir den Einzug und die Eröffnung der KoFabrik feiern. Nun stellte sich für uns die Frage nach dem passenden Beitrag …

Foto von Alexander Schneider

Die Konzeption eines Beitrags war von Beginn an als ein Gemeinschaftsprojekt unseres Bürokollektivs geplant. Somit beteiligten sich demnach auch Stephan Komitsch, Torsten Heseding und Christopher Lensing. Kreativität und Know-How versammelten sich also bei einigen Kaffees und legten los.

Unsere Überlegungen begannen mit einer kleinen Spurensuche. Wo sind wir hier eigentlich? Am Imbuschplatz – klar. Aber wie genau verortet man einen Platz, durch den eine Hauptverkehrsader führt? Und was für ein Viertel gehört dazu? So zwischen Einkaufspassage und dem Kortländer ist das Projekt einer urbanen Nachbarschaft auch ein stückweit Identitätsbildung.

Was also macht das Umfeld aus? Wahrzeichen, Fassaden, Graffiti, Ladenlokale – an jeder Ecke hier schlummert Einzigartigkeit. So mobilisierten wir eifrig und zogen fotografierend los. Dabei sammelten wir Schnappschüsse aus der unmittelbaren Umgebung und kartographierten unsere Nachbarschaft. Das Ziel: Eine interaktive Anwendung, bei der spielerisch die Gegend erkundet und das Wissen um das Viertel getestet werden soll.

Imbusch historisch

Wie auch das Gebäude der KoFabrik eine bewegte Vergangenheit besitzt, so gilt dies auch für den Platz selbst. Als Kaiser-Friedrich-Platz war er Schauplatz zahlreicher Aufmärsche und einer der unsäglichen Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten und wurde später sogar in „Platz der SA“ umbenannt. Heinrich Imbusch, ehemals Vorsitzender des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands, war Mitglied der Nationalversammlung und des Reichstages. Nach der Machtergreifung der Nazis floh er, kehrte dann aber 1942 zurück und arbeitete bis zu seinem Tod 1945 im Widerstand. Kurz nach Kriegsende wurde der Platz dann in Imbuschplatz umbenannt. Seit der zweiten Hälfte der 1950er ist er durch den Innenstadtring geteilt.

Bürokollege und Komplize Christopher Lensing übernahm die Programmierung einer virtuellen Landkarte in Kombination mit der Bildersammlung. Die Teilnehmer*innen sollten die Shots einer Position auf der Karte zuordnen und werden je nach Entfernung mit Punkten belohnt. Schafft man es in die Bestenliste, gibt es einen kleinen Preis als Souvenir. Dazu haben wir vom Modellbauer unseres Vertrauens Schlüsselanhänger mit dem markanten „Imbusch“ als Beschriftung anfertigen lassen. Ideen wie diese tragen dazu bei, dem Quartier und seinem Namen nachhaltige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Als Oberfläche wählten wir eine knapp vier Quadratmeter große historische Karte des Stadtgebiets aus dem staubigen Nachlass des einst hier ansässigen Tiefbauamts. Hierauf wurden zwei Flachbildschirme fixiert. Die resistiven Flächen sind nicht auf Berührungen mit den Fingern angewiesen, also druckten wir uns im Büro kurzerhand die passende Spielfigur im 3D-Drucker.

Das zu Grunde liegende Programm – vvvv – läuft dabei immer in Echtzeit. Somit konnten wir jederzeit Änderungen vornehmen, die durch die Nutzung notwendig wurden. Der dafür notwendige Kontrollmonitor gab allen Interessierten auch die Möglichkeit, einen Einblick in die Programmierung zu bekommen.

Neugierde auf das Spiel, der kompetitive Ansporn durch den Highscore, die aufgeregte Kommunikation am Tisch über die Einschätzungen der Spieler*innen zeigten uns, dass wir mit dem Spiel einen vielversprechenden Weg gewählt haben. Gemeinsam mit allen Mietern boten wir den zahlreichen Gästen über Stunden ein vielseitiges Programm:

Das Mitwerk machte seinem Namen alle Ehre und verwandelte die Räumlichkeit in eine offene, kreative Werkstatt, aus der die begeisterten Teilnehmer*innen gezeichnete Drachen und Siebdrucktaschen mit nach Hause nahmen. Der Coworking Space STÜH33 nahm die Getränkeversorgung in die Hand und bot neben Kaffee, Limo und Radler auch Eis vom nahegelegenen Kugelpudel feil. Zwischen Gästen und den Ständen der ebenfalls präsenten Marktschwärmer ragte dann auch noch der reich verzierte Street Food-Wagen der Bochumer Wohnküche. Unsere lieben Nachbarn vom Ko-Labor bereicherten die Festlandschaft derweil auf dem Gelände mit einem facettenreichen Programm aus Open-Air-Akrobatik, spannender Theatralik und verspielter Clownerie.

Und die Gäste? Freund*innen und deren Freund*innen, die Nachbarschaft, Bekannte, Kreative aus der Stadt und drumherum, Kund*innen und solche die es werden könnten. Alle zusammen gestalteten einen langen Abend in höchst angenehmer, entspannter und vertrauter Atmosphäre, an den wir uns gerne erinnern.

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